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Nicht nur am Frauentag

Wo wir stehen, wie wir dahin gekommen sind und wie es weitergehen muss

Clara Zetkin und Käte Duncker. Diese beiden Frauen waren Anfang des 20. Jahrhunderts maßgeblich daran beteiligt, dass der internationale Frauentag entstand. Auf einer sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen schlug Zetkin damals, die USA zum Vorbild nehmend, vor, auch in Europa einen Tag dem Kampf für das Frauenwahlrecht zu widmen. Am 19. März 1911 wurde daraufhin in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz der erste offizielle Frauentag gefeiert. Nachdem die Durchführung zu Zeiten des Ersten Weltkriegs schwieriger und zwischendurch sogar verboten wurde, fand der Tag in Kreisen der KPD, zu denen Zetkin damals übergewandert war, ab 1921 in jedem Jahr statt. Ab diesem Zeitpunkt wurde er am am 8. März gefeiert, denn 1917 streikten an diesem Datum russische Frauen in Sankt Petersburg (damals Petrograd) und waren so Auslöser für die Februarrevolution. Zu ihren Ehren wurde der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt. Außerdem führten die Sozialdemokraten ab 1926 ihrerseits einen Frauentag ein, der jedoch ohne festes Datum stattfand. Inhalte waren, nach der Einführung des Frauenwahlrechts 1918, vor allem legale Schwangerschaftsabbrüche oder die Arbeitszeitverkürzung. 

Nach der Wiedervereinigung rückte der Frauentag in Deutschland mehr in die gesellschaftliche Mitte – Demonstrationen, Vorträge und Feiern wurden nicht nur in politischen Umfeldern, sondern auch vermehrt in wirtschaftlichen und akademischen Kreisen veranstaltet. Seit 2019 ist der 8. März in Berlin offizieller Feiertag (übrigens genauso wie in Aserbaidschan, Georgien, Russland, Laos und 20 weiteren Ländern).

Die Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts ebnete den Weg dafür, dass der Hälfte der Bevölkerung Rechte zugesprochen wurden, die sie so zuvor nie hatten. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Frauen nicht wählen durften (1918), sie Vergewaltigungen in Ehen nicht zur Anzeige bringen (1997) oder sich scheiden lassen konnten, ohne große finanzielle und gesellschaftliche Konsequenzen zu tragen (1977). Unzählige Frauen setzten und setzen sich für Rechte- und Chancengleichheit, für Sichtbarkeit und Empowerment ein. Trotzdem leben wir auch heute noch in einer patriarchalisch geprägten Welt, in der wir uns durchsetzen müssen, in der es nicht überall selbstverständlich ist, dass Frauen ihren Platz neben und nicht unter den Männern finden. Der Kampf für Gleichberechtigung dauert an und obwohl das Wort Allyship mittlerweile wohl den meisten ein Begriff ist, wird er immer noch vor allem von den Betroffenen geführt – von uns Frauen.

Der Frauentag ist jedes Jahr eine Erinnerung daran, aber ausreichend ist er nicht. Obwohl Demos, in diesem Jahr der ein oder andere digitale Talk, veranstaltet und Gespräche geführt werden, obwohl aufmerksam gemacht wird, auf den großen und auch auf die vielen kleinen Kämpfe im Job, in der Familie, im Alltag, dürfen wir nicht vergessen, dass der Prozess am nächsten Tag weitergeht. Die vielen Initiativen, die sich in den letzten Jahren in der Musikbranche gegründet haben, um Frauen auch intersektional zu unterstützen und Netzwerke zu bilden, sind nur der Anfang. Außerdem sind es ja nicht nur die Frauen, die alltäglich noch mit Diskriminierung und Marginalisierung im Patriarchat zu kämpfen haben. Auch andere FLINTA* sind betroffen. Deshalb wurden in diesem Jahr Stimmen laut, aus dem Internationalen Frauentag den Feministischen Kampftag werden zu lassen.

Aber egal, wie wir diesen Tag auch betiteln, es reicht nicht aus, am 8. März kurz eine Kampagne zu schalten, in der ein paar weibliche Gesichter aus der Firma zu sehen sind, sich damit zu „bekennen“ und sich dann im Rest des Jahres wieder aus dem Diskurs auzuklinken. Wenn wir eine gesellschaftliche Veränderung herbeiführen wollen, brauchen wir den Support von allen.